Ikigai für dich umgebaut: Bleiben-Gehen-Kompass & Neuaufbau

Ikigai für dich umgebaut

Der Bleiben-oder-Gehen-Kompass und der Neuaufbau danach

Ikigai ist eines dieser Konzepte, die im Westen ein bisschen ein Eigenleben entwickelt haben. Ursprünglich ein japanisches Wort für „das, wofür es sich zu leben lohnt”, ist es hier zu einem hübschen Vier-Kreise-Diagramm geworden, das auf ziemlich jedem Pinterest-Board auftaucht – meistens neben einer Frau, die barfuß auf einer Wiese steht und einen Kaffeebecher mit der Aufschrift „Namaste” hält.

Bevor ich damit mache, was ich vorhabe, will ich kurz fair bleiben und das Original erklären. Danach zweckentfremde ich es gnadenlos für meine Zielgruppe. Sorry nicht sorry.

Was Ikigai eigentlich bedeutet

Ikigai setzt sich aus „iki” (Leben) und „gai” (Wert) zusammen. Es beschreibt den Grund, warum sich ein Tag lohnt – nicht als großes, einmaliges Erweckungserlebnis, sondern als etwas, das sich im Alltag immer wieder zeigt.

Das Konzept baut auf vier Bereichen auf, die sich überschneiden sollen:

Etwas, das du liebst – deine Leidenschaft.

Etwas, das die Welt von dir braucht – dein Beitrag.

Etwas, worin du gut bist – deine Stärken.

Etwas, womit du Geld verdienen kannst – deine Existenzgrundlage.

Dort, wo sich alle vier überschneiden, liegt laut dem Konzept dein Ikigai. Schöne Idee, funktioniert auch wirklich gut – wenn dein Leben gerade halbwegs stabil ist. Wenn dein größtes Problem gerade ist, ob du dich beruflich neu erfinden sollst, und nicht, ob dein Partner heute Abend überhaupt nach Hause kommt.

Ist es aber oft nicht, wenn du bei mir landest. Deshalb baue ich mir das Ikigai-Modell jetzt um. Ohne Pinterest. Ohne Wiese.

Ikigai-Variante A: Der Bleiben-oder-Gehen-Kompass

Statt der vier Original-Fragen stell ich dir vier andere, die auf dieselbe Weise funktionieren: Du zeichnest vier Kreise, beschriftest sie, und schaust ehrlich hin, wo sie sich wirklich überschneiden – und wo nicht.

Was liebe ich an dieser Beziehung wirklich – nicht, was ich lieben sollte oder früher geliebt habe.

Was halte ich aus, weil ich glaube, dass ich es muss – wegen der Familie, wegen dem, was andere sagen, wegen des Bildes nach außen.

Worin funktioniert die Beziehung aktuell noch tatsächlich, im echten Alltag.

Was hält mich hier – Finanzen, Wohnung, Kinder, Angst vor dem Alleinsein.

Die spannende Überschneidung ist nicht die zwischen allen vieren. Es ist der Unterschied zwischen Kreis eins und Kreis vier. Wenn „was ich liebe” ein kleiner, verlorener Kreis ist und „was mich hält” der größte von allen – herzlichen Glückwunsch, du weißt bereits mehr, als dir vielleicht lieb ist. Das Blatt Papier lügt nämlich nicht, auch wenn man selbst das gerne noch ein bisschen länger tun würde.

So gehst du beim Bleiben-oder-Gehen-Kompass konkret vor: Zeichne die vier Kreise auf ein Blatt Papier, jeder für sich, kein Zwang zur Überlappung (das ist hier nicht Mathe-Unterricht). Füll jeden für sich ehrlich, ohne beim Schreiben schon zu bewerten. Leg das Blatt danach einen Tag beiseite – ja, wirklich einen ganzen Tag, auch wenn der Drang, es sofort nochmal anzuschauen, riesig ist. Schau es dir erst am nächsten Tag mit etwas Abstand wieder an – dann siehst du die Überschneidungen (oder eben die schmerzhaften Lücken) viel klarer.

Steckst du gerade in genau dieser Bleiben-oder-Gehen-Frage? Im Klarheitskompass arbeiten wir mit genau solchen Werkzeugen, nur mit Begleitung statt allein am Küchentisch.

Ikigai-Variante B: Neuaufbau nach der Trennung

Wenn die Entscheidung schon gefallen ist – du bist gegangen, oder es ist vorbei –, wird aus dem Kompass ein Baugerüst. Auch hier vier Kreise, aber mit anderer Stoßrichtung: nicht „soll ich bleiben”, sondern „wer bin ich jetzt, wo niemand anders mehr mitbestimmt”.

Was liebst du – neu entdeckt, ohne dass seine Vorlieben, sein Geschmack oder sein Kalender mitreden. (Ja, du darfst jetzt wieder den Actionfilm schauen, den er immer albern fand.)

Worin bist du gut – unabhängig von der Rolle, die du in der Beziehung hattest. Nicht „gute Ehefrau”, „gute Organisatorin des gemeinsamen Lebens”, sondern du, für dich.

Was brauchst du gerade wirklich, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Womit kannst du – wieder oder neu – für dich selbst sorgen, auch finanziell.

Hier liegt die Überschneidung tatsächlich wieder näher am Original-Ikigai: Wofür stehst du morgens auf, jetzt, wo du dieses Leben selbst zusammenbaust. Nur ist die Ausgangslage eine andere. Du baust nicht auf einem stabilen Fundament auf. Du baust das Fundament gerade erst neu.

So gehst du beim Neuaufbau-Ikigai konkret vor: Gib dir bewusst Zeit – diese Übung funktioniert selten gut in den ersten Wochen nach einer Trennung, wenn noch alles roh ist. Wenn der größte Sturm sich gelegt hat, nimm dir bewusst einen ruhigen Nachmittag. Schreib zu jedem Kreis mindestens drei Dinge, auch wenn sie dir zuerst klein oder banal vorkommen. Kleine, ehrliche Antworten sind hier mehr wert als große, unklare.

Baust du gerade dein Leben nach der Trennung neu auf? Im kostenlosen Klarheitsgespräch schauen wir, was du für deinen Neuaufbau jetzt wirklich brauchst.

Was beide Ikigai-Varianten gemeinsam haben

In beiden Fällen ist das Diagramm nur ein Werkzeug, kein Orakel. Es liefert dir keine fertige Antwort. Es zwingt dich nur, vier ehrliche Fragen nicht länger im Kopf zu vermischen, sondern getrennt anzuschauen. 

Das allein bringt oft schon erstaunlich viel Klarheit – ganz gleich, ob du noch mittendrin in der Entscheidung steckst oder schon dabei bist, danach neu zu bauen.

Copyright © [2024] Sabine Buiten

Nach oben scrollen
Consent Management Platform von Real Cookie Banner