Soll ich kündigen oder bleiben? – Wenn der Job dich auffrisst und du trotzdem „funktionierst“

Es fängt selten mit einem Knall an. Kein „Ich halte es hier keine Sekunde mehr aus!“, kein dramatischer Türknall, keine kinoreife Kündigung à la Hollywood.
Meistens beginnt es leiser. Unauffällig. Wie ein Haarriss in der Fensterscheibe: Du siehst ihn, ignorierst ihn, redest dir ein, das hält schon noch. Bis du irgendwann mit der Stirn dagegenläufst.

Der innere Dialog einer funktionierenden Frau

Du wachst auf und dein erster Gedanke ist kein Kaffee, keine Morgenroutine, kein „Wow, dieser Tag gehört mir!“, sondern: Shit. Noch ein Tag in diesem Job. Aber du stehst auf. Natürlich. Weil du zuverlässig bist. Loyal. Belastbar. Eine Frau, die sich „nicht so anstellt“.

Dazu ein paar Greatest Hits aus dem Mental-Karussell:

  • „Andere haben’s auch nicht besser.“
  • „In meinem Alter wechselt man nicht mehr so leicht.“
  • „Vielleicht wird’s ja wieder.“
  • „Die zahlen gut.“
  • „Ich zieh das noch durch, bis… irgendwann.“

Und während du dich weiter „zusammenreißt“, schreit dein System längst SOS – nur halt leise, angepasst und bitte ohne jemanden zu stören.

Der Körper kündigt oft früher als du

Schematische Darstellung einer Frau die erschöpft vom Job ist und ihren Kopf auf den Schreibtisch legt.

Du nennst es Migräne, Müdigkeit, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Sinnkrise, Winterdepression, PMS oder „ich vertrage die Kantinenkost halt nicht mehr“. Dein Körper nennt es: Ich will hier raus.Der Preis des Durchhaltens ist hoch – aber leise. Frauen verkraften viel, bevor sie zusammenklappen. Und genau das ist das Problem.

Der Mindfuck zwischen Burnout und Bankomatkarte

Die größte Angst ist selten: „Was, wenn ich gehe?“
Sondern: „Was, wenn danach nichts kommt?“

  • Was, wenn ich finanziell nicht klarkomme?
  • Was, wenn ich nichts Besseres finde?
  • Was, wenn ich mich überschätze?
  • Was, wenn alle denken, ich sei gescheitert?

Spoiler: Die meisten Frauen haben keinen Mangel an Kompetenz, sondern an Erlaubnis, sich selbst ernst zu nehmen.

Die Selbstverarsche mit Ansage

Du musst nicht mal unglücklich genug sein, um zu gehen.
Du musst nur aufhören, dir Folgendes einzureden:

  • „Ich halte durch, bis es ruhiger wird.“ (Wird es nicht.)
  • „Ich nehme mir dann mal eine Auszeit.“ (Wann? Wenn du bereits gekündigt wurdest?)
  • „Ich spreche das Thema irgendwann an.“ (Spoiler: Irgendwann ist das Codewort für nie.)
  • „Ein Jobwechsel ist gerade unklug.“ (Für wen genau?)

Und der Klassiker: „Vielleicht kommt bald ein besseres Projekt / Chef / Team / Gefühl.“

Nein. Veränderung kommt selten über die Bürotür hereingeschwebt wie ein Einhorn mit HR-Vertrag.

Warum Frauen bleiben, obwohl sie längst gehen wollen

Weil:

  • Loyalität bei Frauen gelernt wird wie Zähneputzen.
  • Wir nicht stören wollen.
  • Wir keine „Sprung-ins-Leere“-Frauen sein wollen.
  • Wir lieber brav innerlich verrecken als unbequem wirken.
  • Wir oft nicht wissen, wie man geht – nur, dass man es nicht darf.

Und weil viele glauben, ein Jobwechsel müsste gleich ein ganzes neues Leben sein – statt einfach ein erster Schritt raus aus dem Falschen.

Bleiben oder gehen? Die eigentliche Frage ist eine andere

Nicht: „Ist der Job schlimm genug?“
Sondern: „Ist das hier gut genug für deine Zukunft?“

Nicht: „Schaffst du das finanziell?“
Sondern: „Was kostet es dich, zu bleiben?“

Nicht: „Was werden die anderen denken?“
Sondern: „Was denkst du über dich, wenn du noch bleibst?“

Der Absprung muss nicht laut, dramatisch und unvorsichtig sein

Du musst nicht morgen kündigen. Du musst nicht alles hinwerfen. Du musst nichts Dramatisches tun.

Aber du musst anfangen, ehrlich hinzuschauen:

  • Wo faule Kompromisse dich auffressen.
  • Wo du längst innerlich ausgestiegen bist.
  • Wo dein Talent nicht mehr atmet.
  • Wo Wertschätzung nur auf der Website steht.
  • Wo du dich selbst kleiner machst, als du bist.

Und jetzt?

Wenn du beim Lesen genickt hast (oder innerlich kurz kotzen musstest), hast du keine Jobkrise – du hast Klarheit im Anmarsch. Und mit Klarheit kommt Entscheidungskraft. Nicht sofort, aber leise, zielsicher, stabil.

Du musst nicht wissen, wohin es geht. Aber du solltest wissen, dass es so nicht weitergeht.

Und genau da setze ich an. Nicht mit „Finde deine Berufung in 5 Schritten“, sondern mit echter Arbeit an Entscheidung, Umsetzung und Identität. Kein Räucherstäbchen, kein „Vertrau dem Prozess“-Yoga. Sondern: Klartext, Analyse, Selbstermächtigung und Zukunft in die Hand nehmen.

Wenn du willst, dass dein Leben nicht von deiner Lohnabrechnung definiert wird – meld dich. Ich halte den Raum, bis du wieder spürst, was du wirklich willst. Und wenn’s sein muss, begleite ich dich auch durch die Kündigung und zurück ins Leben.

Copyright © [2024] Sabine Buiten

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